Schwache magnetostatische Felder wie das Erdmagnetfeld stellt für
mehrere Tierarten eine Orientierungshilfe dar. Dies gilt besonders für Zugvögel.
Die Wahrnehmung der schwachen Erdmagnetfelder durch manche Tiere wirft die Frage
auf, ob auch für den Menschen mit einer biologischen Beeinflussung zu rechnen
ist.
Bewegt sich allgemein ein Ladungsträger mit der Ladung Q mit der Geschwindigkeit v durch ein Magnetfeld, so wirkt auf ihn die Lorentzkraft F, die nach dem Induktionsgesetz eine Ladungstrennung bewirkt. F in [N]; Q in [C=As]; v in [m/s]; B in [T=Vs/m2]
Die Kraft ist maximal, wenn Induktion und Bewegungsrichtung senkrecht aufeinander stehen. Dann gilt:
Die Kraft auf die bewegte elektrische Ladung kann auch durch die Wirkung einer durch das Magnetfeld induzierten elektrischen Feldstärke Ei erklärt werden.
Durch gleichsetzen
erhält man:
In unserem leitfähigen Körper wird dadurch in bewegten Teilen ein (Wirbel-) Strom verursacht, dessen Stromdichte Si nach dem allgemeinen ohmschen Gesetz berechnet werden
kann. ..spezifischer ohmscher Widerstand
Da die Richtung der Ablenkkraft vom Vorzeichen der Ladung abhängt, kommt es bei gleichgerichteter Bewegung ungleichnamiger Ladungsträger zu einer Ladungstrennung und zum Auftreten einer elektrischen Spannung, die umso größer ist, je größer die Breite der Teilchenströmung ist.
Bewegen sich also, wie zum Beispiel in Blutgefäßen, positiv und negativ geladene Teilchen in gleicher Richtung, so wirken die Magnetfeldkräfte entgegengesetzt und führen zu einer Ladungstrennung und damit nach dem Induktionsgesetz zum Auftreten einer elektrischen Spannung quer zur Bewegungsrichtung.
Diese Spannung steigt mit steigender Bewegungsgeschwindigkeit an.
Das bedeutet, dass biologische Auswirkungen überall dort denkbar sind, wo im Körper
schnelle Bewegungsabläufe auftreten oder sich der Körper z.B. im fahrenden Auto im
Magnetfeld bewegt.
Die größten Bewegungsgeschwindigkeiten im menschlichen Körper treten im Herzen auf. Bei
der Kontraktion des Herzmuskels wird das Blut mit großer Geschwindigkeit in die Aorta
gepumpt und erreicht dabei Spitzengeschwindigkeiten von über 1 m/s. Bei gesteigerter
Herztätigkeit z.B. durch Sport oder körperliche Arbeit erreicht die Blutgeschwindigkeit das
5fache des Wertes, was bedeutet, dass quer zur ca. 2,5 cm messenden Aorta ein Spitzenwert
der Spannung von 125 mV pro Tesla erreicht werden kann. Dadurch können außerhalb der
Aorta im Takt der Herzfrequenz Stromdichten – Spitzenwerte von ca. 10 µA/cm2 pro Tesla
verursacht werden, die mit steigender Entfernung jedoch rasch abnehmen.
Durch die Bewegung des Herzmuskels von ca. 5 cm/s entstehen auch dort elektrische
Stromdichten, die im Bereich von 1 bis 2 µA/cm2 liegen. Die Möglichkeit einer Gefährdung
ist jedoch in diesem Fall gering, da die Stromdichten in jenem Zeitabschnitt auftreten, in dem
die Herzmuskelzellen bereits erregt sind bzw. noch nicht oder nur schwer erregbar sind.
Risiken können bei Patienten mit bestehenden Erregungsausbreitungsstörungen bei
Induktionen über 300 mT jedoch nicht mehr ausgeschlossen werden.
Die durch das Magnetfeld verursacht elektrischen Vorgänge zeigen sich bei der Ableitung
des EKG durch eine Veränderung der Kurvenform in der Auswurfphase des Ventrikels, also
dem Zeitabschnitt großer Bewegungsgeschwindigkeiten, bei Induktionen über 300 mT.
Abb.1 Veränderung der Kurvenform des Elektrokardiogramms durch magnetisch verursachte
Vorgänge (P,Q,R,S,T = genormte Kennzeichnung der EKG-Zeitabschnitte)
In Tierversuchen konnten bei Feldstärken von 300 mT keine Veränderung der Herzfrequenz
oder Arhythmien festgestellt werden, bei Beendigung der Feldexposition stellte sich sofort der
Ausgangszustand wieder ein.
Versuche an Menschen zeigten eine Veränderung des EKG bei einer Induktion von 350 mT,
die jedoch erst bei 2 T außerhalb des Normalbereiches lagen.
Bei Bewegung einer Person im Magnetfeld, kommt es zu Ladungstrennungen, die z.B.
zwischen Scheitel und Sohle eine elektrische Spannung hervorrufen. Bei Abschätzungen
zeigte sich jedoch, dass diese selbst unter ungünstigsten Vorraussetzungen vernachlässigbar
ist. Bewegt sich ein Mensch mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h so entstehen dadurch ca.
50 V pro Tesla. Das bedeutet, dass bei der Bewegung im Erdmagnetfeld eine Spannung von
ca. 2,5 mV entsteht, welche wiederum im Körperinneren eine Stromdichte von 0,025 µA/cm2
verursacht. Dieser Stromdichtewert liegt weit unterhalb jenem Bereich, in dem relevante
biologische Wirkungen beginnen.
Die Fortleitungsgeschwindigkeit von Nervenimpulsen liegt bei maximal 120 m/s und ist vom
Aufbau und Durchmesser der Nervenfasern abhängig. Bei der Erregungsausbreitung in der
Herzkammer treten im Erregungsleitsystem Geschwindigkeiten von 2 m/s im Herzmuskel 1
m/s auf. Allerdings ist die Bewegungsgeschwindigkeit der Ladungsträger wesentlich geringer
und hängt von der Beweglichkeit der Ionen ab.
Werden nun bewegte Ladungsträger durch das Magnetfeld abgelenkt, dann würde die
Übertragungsgeschwindigkeit geändert, was wiederum eine Beeinflussung der Reizleitung
bedeuten könnte.
Unsere Nervenfasern besitzen eine elektrisch isolierende Hülle, die in regelmäßigen
Abständen durch Einschnürungen unterbrochen ist. Die Fortpflanzung der Erregung erfolgt
durch Teilströme, die sich über den Außenraum von Schnürring zu Schnürring schließen und
dort zu einer erneuten Erregung führen. Durch diese sogenannte saltatorische Reizleitung
wird eine Abschwächung des Nervensignals verhindert.
Eine Ablenkung der Stromwege ist nur möglich, indem die Ablenkkräfte gegenüber den
Antriebskräften der Ionen nicht vernachlässigbar klein sind. Abschätzungen haben aber ergeben,
dass selbst bei den höchsten derzeit auftretenden Magnetfeldern eine Beeinflussung der
Reizleitung vernachlässigt werden kann. Auch experimentell konnten keine Verhaltensänderungen als Hinweis für eine Beeinflussung
des Gehirns und damit der Nervenleitungen festgestellt werden.
Es ist möglich Gegenstände zu „magnetisieren", welche danach ihr magnetisches Kraftfeld
auch über lange Zeit ungeschwächt beibehalten können. Dies gilt auch für Atome und
Moleküle, die sich ebenfalls aus bewegten elektrischen Ladungsträgern zusammensetzen. Jeder
dieser Ladungsträger verursacht auch kleinste magnetische Felder, die sich je nach
Ladungsvorzeichen und Bewegungsrichtung gegenseitig aufheben oder auch verstärken
können, so dass das Atom oder Molekül ein resultierendes Gesamtfeld besitzen kann.
Im allgemeinen sind die atomaren Magnetfelder ungeordnet und die Gegenstände erscheinen
nach außen hin als unmagnetisch. Starke äußere Magnetfelder können nun eine Orientierung
der Atome bewirken , die jedoch nach Ausschalten des Feldes nach verschieden langer Zeit
wieder verloren geht. Diese „Relaxationszeiten" sind je nach Atom unterschiedlich und
können auch in der Medizin für Diagnostische Zwecke ausgewertet werden.
Durch äußere Magnetfelder können Kräfte auf Atome und Moleküle in unserem
Körperinneren ausgeübt werden. Die Stärke der Kräfte ist umso größer, je größer das
Eigenfeld der Atome und je stärker das äußere Magnetfeld ist.
Bei ferromagnetischen Molekülen sind jedoch die Feldkräfte wesentlich stärker, so dass
angenommen wird, dass derartige Moleküle, z.B. Fe3O4, bei der Magnetfeldorientierung eine
Rolle spielen.
Da diese Moleküle jedoch das dichteste und härteste Material bilden, das von Organismen
aufgebaut werden kann, wird es auch zu anderen Zwecken als zur Orientierung eingesetzt.
Wenngleich Zellen und Moleküle keine ferromagnetischen Eigenschaften aufweisen, sind sie
doch leicht diamagnetisch, so dass auch auf sie magnetische Kräfte wirken können, die eine
Orientierung in Feldrichtung anstreben. Derartige Orientierungseffekte wurden in vitro, z.B.
an Suspensionen von Sichelzellen der Netzhaut, bei Induktionen von 1 T beobachtet. Da die
Zeitkonstante der Ausrichtung ca. 4 s betrug, sind diese Vorgänge jedoch zu träge, um
schnelleren Richtungsänderungen, z.B. Bewegung der Person oder magnetischen
Wechselfeldern, folgen zu können.
Komplexere Moleküle mit inhomogenen Eigenschaften, wie z.B. Enzyme oder DNS als
Träger unserer Erbanlagen konnten bei hohen Induktionen von 1 T in vitro
Orientierungseffekte nachgewiesen werden.
Untersuchungen der Beeinflussbarkeit chemischer Vorgänge ergaben eine Änderung der
Aktivität von Enzymen bei Induktionen über 6 T. Irreversible Veränderungen, die auch nach
Beendigung der Feldwirkung erhalten blieben, konnten nicht festgestellt werden.
Studien von gesamten Organismen waren zum Beispiel die Studie von Beniashvili et al [12],
der Mäuse einem statischen Feld von 0,02 mT aussetzte und keinen Zusammenhang zwischen
Exposition und Brustkrebshäufigkeit feststellte. Mahlum et al [13] exponierte Mäuse einem
Feld von 1000 mT. Das Feld verursachte keine Mutationen. Ähnliche Ergebnisse ergaben
Experimente an Fruchtfleisch, das einem Feld von 1000 bis 3700 mT ausgesetzt
wurde.[14,15,16]
Nur eine Studie berichtete über eine gentoxische Wirkung magnetostatischer Felder. In der
Studie von Koana [65] wurde ein vermehrtes Auftreten von Mutationen in DNA-
Reparaturgeschädigtem Fruchtfleisch bei Exposition von 600 mT über 24 h nachgewiesen.
Dieser Effekt konnte bei Fruchtfleisch mit normaler DNA Reparaturkapazität nicht
beobachtet werden.
Veröffentlichte Zellulärstudien konnten keinen gentoxischen Effekt nachweisen. So
verursachen magnetostatische Felder keine DNA Strang-Brüche [76] , Chromosonale-
Abnormalitäten [18,19,20,21,22,23,79], sister-chromatid-exchanges [18,20,22,24],
Zelltransformationen [19,25] , Mutationen [26,27,28,94] oder mikronucleus Formationen
[78].
Auch eine Krebspromotion durch statische Felder ist eher unwahrscheinlich. Die Studien die
einen solchen Effekt nachwiesen, konnten nicht reproduziert werden.
Drei Studien [14,30,31] fanden keine Promotion von ionisierender Strahlung hervorgerufenen
Mutationen bei einer Exposition von 140 bis 3700 mT. Eine vierte Studie [32] berichtete über
einen schwachen Anstieg von Chromosonalen-Abnormalitäten bei Exposition von 1100 –
1400 mT und Initiierung durch eine hohe Dosis ionisierender Strahlung.
Eine fünfte Studie [33] fand einen schwachen Anstieg der Zellsterblichkeit ebenfalls bei
Initiation durch ionisierende Strahlung.
Laborstudien konnten keinen Effekt magnetostatischer Felder auf das (Tumor-)
Zellwachstum, Immunsystem oder Hormonale Gleichgewicht nachweisen.
Zwar hat das magnetostatische Feld reproduzierbare biologische Effekte , diese haben jedoch
offensichtlich keine Verbindung mit der Krebsentstehung oder dem Krebswachstum.
Einige biologische Effekte konnten in Laborstudien schon bei Feldstärken von weniger als 20
mT nachgewiesen werden, und manche Organismen scheinen die Änderungen der Stärke und
Orientierung des Erdmagnetfeldes zu spüren [1,54].
Chemische Reaktionen können durch Feldstärken kleiner als 10 mT beeinflusst
werden.[56,57]
Nur wenige epidemiologische Studien befassten sich bisher mit dem möglichen
Zusammenhang zwischen Krebs und magnetostatischen Feldern. Budinger et al[7] konnte
dabei kein erhöhtes Krebsrisiko bei Arbeitern an Teilchenbeschleunigern, die Feldstärken von
bis zu 300 mT ausgesetzt waren, festgestellt. Barregard et al [6] fand ebenfalls keinen Zusammenhang
zwischen beruflicher Exposition von bis zu 10 mT und Krebs.
Weiterhin existieren Studien in Aluminium-Fabriken [8,9,10,61], die zwar nicht darauf
zielten einen Zusammenhang zwischen magnetostatischen Feldern und Krebs herzustellen,
aber die Arbeiter in solchen Fabriken sind Feldstärken von 5 bis 15 mT ausgesetzt [2,3,4].
Ein erhöhtes Krebsrisiko konnte in nur einer Studie nachgewiesen werden [8].
Die einzige dieser Studien die direkt den Zusammenhang zwischen Krebs und
magnetostatischen Feldern untersuchte, konnte keinerlei Zusammenhang feststellen.[61]
Die Bewertung von Epidemiologien und Laborstudien erfolgt mit Hilfe weitgehend
anerkannter Kriterien, sogenannter „Hill-Kriterien".
Die Hill-Kriterien auf eine mögliche Assoziation zwischen statischen Feldern und Krebs
angewendet, deuten auf einen sehr schwachen bis nicht existenten Zusammenhang hin.
Es existiert nur ein schwacher Zusammenhang zwischen magnetostatischen Feldern
und Krebs. Nur eine Studie berichtete über einen Zusammenhang zwischen statischen
Feldern und Krebs [8], die Assoziation ist nicht stark und scheint nur für eine Krebsart
zu gelten.
Der Zusammenhang zwischen statischen Feldern und Krebs ist nicht konsistent.
Studien von beruflich exponierten Personen konnten keinen Zusammenhang nachweisen
[6,7]. Nur eine Studie über Arbeiter in der Aluminiumindustrie stellte einen
Zusammenhang zwischen Krebs und magnetostatischen Feldern fest. Alle weiteren waren
ebenfalls „negativ".
Seitdem nur eine Studie über einen Zusammenhang berichtete, ist der Punkt der
Spezifizierung strittig.
Es gibt kein Anzeichen für eine Dosis-Wirkungs-Beziehung.
Die einzige Studie, die über einen Zusammenhang berichtete, konnte keine Dosis-
Wirkungs-Beziehung nachweisen.
Ferromagnetische Stoffe besitzen ein besonders hohes magnetisches Moment. Auf sie wirken
im Magnetfeld Drehmomente, die mit steigender Induktion zunehmen. In inhomogenen
Feldern wirken zusätzlich Verschiebungskräfte, die vom magnetischen Moment und von der
lokalen Feldstärkeänderung (Feldgradient) abhängen.
Starke Magnetfelder können daher im Körperinneren gefährliche Lageveränderungen von
ferromagnetischen Implantaten verursachen. So sind z. B. Blutungen bei Verschieben von
ferromagnetischen Klammern zur Behandlung von Arterienerweiterungen oder Änderung der
Lage von Stimulationselektroden von Herzschrittmachern möglich.
In Räumen mit starken inhomogenen Magnetfeldern, z.B. in der Umgebung von MR-
Tomographen können ferromagnetische Gegenstände mit großer Kraft in das Magnetfeld
hineingezogen werden. Bei großen Beschleunigungen könnten sie dabei zu gefährlichen
Geschossen werden.