Gustav Theodor Fechner wurde am 19. April 1801 in Großsärchen bei Muskau geboren. 1815 zog die Familie nach Dresden. Fechner besuchte die Kreuzschule, wurde aber nach anderthalb Jahren mit den Worten entlassen: "Sie müssen fort, Sie können bei uns nichts mehr lernen." So schrieb sich der Sechzehnjährige an der Leipziger Universität als Medizinstudent ein. Er hörte mit Interesse Physiologie bei Ernst Heinrich Weber und Algebra bei Mollweide, ansonsten blieb er weitgehend Autodidakt und begeisterte sich für die Naturphilosophie Okens. Zum Arzt fühlte er sich wenig talentiert, das Studium - besonders der praktische Teil - hatten ihn nach eigenem Bericht "gänzlich um Neigung und Zutrauen gebracht". Trotz bestandenem medizinischen Examen verdiente er seinen Lebensunterhalt durch literarische Arbeiten und vor allem durch die Übersetzung des damals führenden Lehrbuchs der Physik von J. B. Biot (ca. 2300 Seiten) und des ebenso bedeutenden Lehrbuches der Chemie von L. J. Thènard (ca. 5600 Seiten). Neben wichtigen Ergänzungen zu diesen Lehrbüchern verfaßte er mehrbändige Repertorien zur Physiologie, Physik und Chemie. Vom Erlös dieser Arbeiten erwarb er einige physikalische Apparaturen für eigene physikalische Untersuchungen. Sein Interesse galt vor allem dem Ohmschen Gesetz und dem Elektromagnetismus. Ausgewiesen durch die Bearbeitung der Werke Biots und Thènards sowie eigene Forschungen berief ihn die Philosophische Fakultät der Leipziger Universität 1834 zum Ordinarius für Physik. Er wurde damit der erste Direktor des ersten physikalischen Instituts in Deutschland. Es folgten Jahre angestrengter Arbeit, zumal er kurz vorher zur finanziellen Absicherung die Herausgabe eines achtbändigen Hauslexikons übernommen hatte. Physische Überlastung und eine Reihe physikalischer und sinnesphysiologischer Experimente führten 1840 zu einer Augenerkrankung.

Die Genesung nach dreijähriger Ungewißheit wurde von Freunden und Universitätskollegen mit großer Freude und Erwartungen aufgenommen. Fechner bat jedoch um die Aufhebung seiner Pflichten als Ordinarius für Physik. Die erste Vorlesung nach der langen Krankheit hielt er zum Thema: "Über das höchste Gut und den menschlichen Willen".

Die Beziehungen zwischen dem Physischen und dem Psychischen blieb nun zeitlebens ein Hauptproblem seiner wissenschaftlichen Arbeit. Er suchte nach exakten, möglichst meßbaren Aussagen zu diesem vielfach spekulativ behandelten Gegenstand. Sein originäres und kreatives, von hohem Anspruch und Ethos getragenes Forschen bestand darin, denkend und beobachtend jedes Problem umfassend zu betrachten, vom Ganzen ausgehend einen Zusammenhang bis ins Detail zu verfolgen und wieder dem Ganzen zuzuführen. Naturphilosophie und exakte Naturwissenschaft vereinte er so zu seinem originellen Werk. Zwei Wissenschaften wurden von ihm auf diesem Wege begründet: die Psychophysik und die experimentelle Ästhetik.

Sicher waren es die anregenden Gespräche und Begegnungen im Härtelschen Hause, einem Mittelpunkt des damaligen Leipziger Musik- und Kunstlebens, sowie freundschaftliche Begegnungen mit Bettina von Arnim und Wilhelm Weber sowie der wöchentliche Gedankenaustausch im "Professorenkränzchen", die Fechners Gedankenreichtum mitbestimmten. Seine Originalität beruhte aber auch auf der Offenheit gegenüber ungelösten Problemen. In diesem Sinne verstand er den "Glauben im weitesten Sinne" als notwendige Bedingung des Wissens und verband beide im Wechsel von freiem Gedankenspiel und empirischer Forschung. Nicht bei allen Zeitgenossen fand er Zustimmung und Verständnis, was er ironisch in einem seiner "Vier Paradoxa" reflektierte. Damit sei auf eine weitere Seite des Fechnerschen Schaffens hingewiesen, seine satirisch - humoristischen Schriften, in denen er die Medizin, die Philosophie, die Kunst und gesellschaftliche Erscheinungen auf's Korn nahm.

Fechners vielfältige Beziehungen zur Kunst und Literatur beruhte nicht zuletzt auf familiären Traditionen. Sein Bruder lebte als Maler in Paris, über die zweite Ehe seiner Schwester Mathilde entstand Kontakt zu dem Bildhauer Theodor Kietz und über seine Schwester Clementine schließlich eine enge Verbindung zu Clara und Robert Schumann. Die nach Fechners eigenen Worten glückliche Ehe mit Clara Maria geb. Volkmann erschloß ihm überdies Begegnungen mit W. v. Kügelen und Ludwig Richter. Von besonderem Einfluß blieb auch die lebenslange Freundschaft zu Hermann Härtel.

Fechner war korrespondierendes Mitglied mehrerer ausländischer Akademien und gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften. Die Stadt Leipzig ehrte ihn 1884 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde und posthum mit der Errichtung eines von Theodor Kietz geschaffenen Denkmals im Rosenthal. 1994 wurde nach Abstimmung der Schüler und Lehrer und auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung Leipzigs eine Schule nach ihm benannt.

Gustav Theodor Fechner starb am 18. November 1887 im Alter von 86 Jahren.

Text und Bild: Fechner - Gesellschaft Leipzig, 1995