Radio PSR

Den unterrichtsfreien, pädagogischen Tag im März nutzte unsere Redaktion um den ersten sächsischen und in Ostdeutschland stärksten, privaten Radiosender etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Wir statteten "Radio PSR" einen Besuch ab und in ca. eineinhalb Stunden wurden wir mit Aufbau, Gestaltung, Technik und den Moderatoren bekannt gemacht. So erfuhren wir zum Beispiel, daß PSR sich ausschließlich durch Werbung finanziert, ca. 248000 Hörer hat und daß alle Moderatoren nur Naturtalente sind, die viel reden können, und eine große Menge Humor haben.

Was bedeutet eigentlich PSR? PSR heißt Privater Sächsischer Rundfunk bzw. erster Privater Sächsischer Rundfunk, da Radio PSR der erste Privatsender in Ostdeutschland war/ist. Radio PSR hat am 1. Juli 1992 mit seinem Programm begonnen. Privatradio gibt es schon seit mehr als 10 Jahren in Deutschland und ist ursprünglich eine Initiative, die von der politischen Seite ausging. Man versuchte das Grundmodell einer öffentlich rechtlichen Anstalt der BBC in der Tradition des englischen Journalismus, in dem es eine komplette Trennung zwischen dem politischen und dem journalistischen System gibt. Für die Übernahme des Modells aus Großbritannien ist ein gewisser Herr Green verantwortlich. Somit entstand in Deutschland der NWDR, aus dem später der NDR, WDR und andere öffentlich rechtliche Stationen bis zu den 80er Jahren hervorgegangen sind. Die Politiker sahen keine Trennung zwischen den Radiostationen und der Politik. Und so wollte man ein Gegengewicht schaffen. Dies war die Vorraussetzung für privaten Hörfunk. So entstand Radio Schleswig-Holstein, die erste private Radiostation in Kiel, die einer der Gessellschafter von Radio PSR ist. Erste Frequenzen wurden Ende 1991, Anfang 1992 ausgeschrieben. Die 102,9 MHz für den Leipziger Raum wurde als erstes vergeben. Weitere Frequenzen von PSR sind die 102,4 in Dresden, 100,0 in Chemnitz und im Vogtland die 92,0 als unterstützende Frequenz sowie die 101,0 in Löbau. Diese Frequenzen sind am 1. Juli 1992 frei geworden. Dafür mußte PSR sechs Wochen vorher schriftlich anmelden, in der unter anderen, die Eigentümer, das Programm, Mitarbeiterzahl und der Firmensitz stehen mußte. Eine wahrscheinliche Argumentation, warum Radio PSR diese Lizenz bekommen hat, ist, daß es ein mittelständiges Unternehmen ist.

Und wie beginnt man Radio zu machen? Jemand hatte eine Idee gehabt und hat gesagt: "Wir würden uns gerne um eine solche Frequenz bewerben.". Und dann ist man hausieren gegangen und hat gesagt: "Wer könnte sich vorstellen, an einem Radioprojekt teilzunehmen. Hätten Sie nicht Interesse?". Dies ist natürlich für die Firmen, die damit nichts zu tun haben, eine aufregende Sache, weil viele sich darunter nichts vorstellen können. Heute, nach fast vier Jahren Privatfunk in Sachsen sieht dies anders aus. Wenn heute jemand einen Radiosender aufmachen möchte, wäre man angetan. Dies war damals nicht so einfach, weil die Kapitaldecke nicht so groß ist, und man bewußt eigenständige Firmen in Sachsen wollte. Die Gefahr darin bestand, daß, wenn das Projekt Radio PSR schiefgelaufen wäre, wären auch die mitbeteiligten Firmen Pleite gegangen.
Finanzen werden über die Werbung eingespielt. Radio PSR ist organisiert als GmbH & CoKG. Innerhalb von sechs Wochen, nachdem der Sender seine Lizenz bekommen hatte, wurde das Radio aufgebaut. Der Aufbau eines privaten Radiosenders dauert normalerweise zwischen einem halben und einem Jahr, daher war dies sehr ungewöhnlich, aber es hat funktioniert. Es wurde eine Stellenanzeige in den großen sächsischen Tageszeitungen geschaltet und am 1. Juli mit zwei Dutzend Leuten, von denen fast alle Quereinsteiger waren, begonnen.
Am Anfang war alles recht abenteuerlich, auf dem Schreibtisch stand das Mischpult, an den Wänden klebte Styropor und in der unteren Etage standen die Bauarbeiter. Wenn der Moderator etwas sagen wollte, mußte er auf's Knöpfchen drücken, damit unten eine Lampe aufleuchtete und der Bauarbeiter seinen Preßlufthammer ausmachen konnte. Wenn er mit seiner Moderation fertig war, machte er die Rundumleuchte wieder aus und der Bauarbeiter konnte weiterarbeiten. Dies ging so etwa ein Jahr lang.

Mittlerweile hat sich PSR gut etabliert und ganz schön gemausert, wenn man bedenkt, daß mit fünf Leuten begonnen wurde.




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Autorin:   Daniela Marggraf
Erstellt:   April 1996
Logo:   (c) Radio PSR